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Sport, Bewegung und
Engagement im
gesellschaftlichen Wandel

 

Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen 05/2010

Gesellschaftspolitischer Diskurs oder Knöchel der Nation?

Nicht nur kurz vor Welt- und Europameisterschaften ist Fußball zu einem wichtigen Teil der Gesellschaft geworden. Vor solchen sportlichen Großereignissen nimmt die mediale Aufmerksamkeit jedoch Ausmaße an, die oftmals fast bizarre Züge annimmt – zu beobachten zum Beispiel im Laufe dieser Woche, als die Nachricht von der Verletzung des Nationalmannschaftskapitäns Michael Ballack selbst drängende politische Probleme wie die Griechenlandkrise oder die Debatten um die Regierungsbildung in Nordrhein-Westfalen in den Hintergrund schob.

So strahlte selbst die ARD zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr eine Sondersendung aus zu den neuesten Entwicklungen um den „Knöchel der Nation“ und die daraus folgenden sportlichen! Konsequenzen. Im Gegensatz zu den sportlichen Fragen zum Fußball und den Chancen der verschiedenen Nationalmannschaften auf den Weltmeistertitel geht das Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen in seinem neuen Heft den gesellschaftspolitischen Dimensionen des Fußballs nach.

Gerald Hödl und Kurt Wachter loten in ihren Beiträgen die politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen des Fußballs im Allgemeinen und der ersten Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent für Afrika aus. Hödl attestiert Exklusionstendenzen im Rahmen der Vorbereitung auf die Fußball-WM in Südafrika und analysiert die Auswirkungen der WM auf die soziale und politische Situation. Wachter analysiert Fußball als Teil der Entwicklungspolitik und fragt kritisch, welche kolonialen Traditionen in diesem Beziehungsgeflecht zum Ausdruck kommen und welche emanzipatorischen Elemente zur Überwindung von Abhängigkeitsverhältnissen dort sichtbar sind.

Sebastian Braun widmet sich in seinem Beitrag der Rolle des Fußballs und seiner Vereine und Verbände als zivilgesellschaftlichen Akteuren. Er sieht die Notwendigkeit einer fundierten ,engagementpolitischen Konzeption‘, die Vereine und Verbände allerdings bislang vermissen lassen.

In weiteren Beiträgen lesen Sie  Mark Terkessidis, der sich fragt ob nicht „die Nation“ angesichts auf Diversität beruhender Mannschaftsaufstellungen auch in Nationalteams zum leeren Bedeutungsträger wird. Im Interview berichtet Christoph Biermann über die Tendenz, Fußball mit wissenschaftlichen Mitteln und Statistiken zu analysieren. Jonas Gabler widmet sich der umstrittenen Fangruppierung ‚Ultras‘ und berichtet über deren Entstehungsgeschichte und Richard Gebhardt setzt sich in seinem Blick auf die so genannten „Bunten Ligen“ mit einer anderen zivilgesellschaftlichen Facette des Fußballs auseinander.

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Nr. 2/2010


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