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Sport, Bewegung und
Engagement im
gesellschaftlichen Wandel

 

Berliner Zeitung 08/2010

Kräftemessen in Mitte - Neue Sportforschungshalle soll Spitzensportlern helfen, ihre Leistungen zu verbessern

Ein universitäres Zentrum in Mitte könnte zum Mekka für deutsche Spitzensportler werden. Das hofft man zumindest in dem von Humboldt-Universität und Charité gegründeten Centrum für Sportwissenschaft und Sportmedizin Berlin (CSSB).

In den an der Hannoverschen Straße gelegenen Gebäuden werden künftig nicht nur jährlich gut 150 Sportstudenten ausgebildet. Auch Olympioniken und Nationalmannschaften soll dort zu Spitzenleistungen verholfen werden. „Ein Kooperationsvertrag mit dem Olympiastützpunkt Berlin ist bereits geschlossen“, sagt der Vorstandsvorsitzende des CSSB, Norbert Haas.

In dem Zentrum finden die bisher in Hohenschönhausen residierenden Sportwissenschaftler der Humboldt-Uni und die Sportmediziner der Charité ein neues Zuhause. Zehn Professuren zählt das CSSB. Etwa 60 wissenschaftliche Mitarbeiter hat es derzeit, in einigen Jahren sollen es 120 sein.

Vorzeigeobjekt ist eine Sportforschungshalle, die zurzeit gebaut wird. Sechseinhalb Millionen Euro kostet sie. Am Donnerstag wird Richtfest gefeiert, nächstes Frühjahr wird sie eingeweiht. „Dass der Bau so schnell zustande kam, haben wir Mitteln aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung zu verdanken. Damit wurde das Gebäude komplett finanziert“, sagt Georg Duda, der an der Charité das Julius-Wolff-Institut leitet und neben Sebastian Braun vom Institut für Sportwissenschaften der Humboldt-Universität  stellvertretender Vorsitzender des CSSB ist.

Das Gebäude beherbergt eine Mehrzweckhalle mit drei Feldern, eine Gymnastikhalle und einen Kraftraum. Die besondere Ausstattung – sie ist deutschlandweit einmalig – erlaubt ausgefeilte bewegungstechnische und sportwissenschaftliche Analysen während des Trainings. Zu diesem Zweck sind in der Halle zahlreiche Kameras installiert, die etwa während eines Volleyballspiels die Bewegungen der Spieler erfassen können. Zusätzlich finden sich an einigen Stellen im Boden Kraftmess-Plattformen. „Sie ermitteln, mit welcher Kraft ein Spieler nach einem Sprung auf dem Boden aufkommt“, erläutert Duda. Auch der Kraftraum wird ein besonderer sein. „Die Geräte dort sind mit einer besonderen Messelektronik ausgestattet, die es erlaubt, das Training und den Trainingsfortschritt genau zu überwachen“, sagt Duda.

Auf der Basis der so ermittelten Daten wollen die Forscher neue Trainingskonzepte erstellen, die nicht nur Spitzensportlern sondern auch Breitensportlern nützen sollen. „Bislang werden für Sportler – egal ob jung oder alt, ob männlich oder weiblich – weitgehend die gleichen Konzepte angewandt. Vermutlich muss man aber viel mehr differenzieren, welche Voraussetzungen der einzelne Sportler hat“, sagt Duda.

Während sich die CSSB-Forscher noch etwas gedulden müssen, bis sie ihre Studien in der Sportforschungshalle betreiben können, ist das Hauptgebäude des Zentrums bereits fertig. Das alte veterinärmedizinische Gebäude der Humboldt-Universität wurde saniert und umgebaut. In dem Saal, in dem zu preußischen Zeiten Pferde operiert wurden, befindet sich heute eines der modernsten und größten Labore in Europa zur dreidimensionalen Bewegungsanalyse.

Mithilfe von Infrarotkameras werden dort Unregelmäßigkeiten im Gang oder beim Laufen und Springen ermittelt. So können Spitzensportler ihre Technik optimieren und Fehlbelastungen vermeiden. Aber auch Patienten mit Knieproblemen können von einer Bewegungsanalyse profitieren: Denn damit lässt sich ermitteln, wie Überbelastungen des Gelenkes entstehen. Oft hilft in solchen Fällen ein spezielles Muskeltraining.

Einzelne Projekte mit Spitzensportlern haben die CSSB-Forscher bereits begonnen. Einige Leichtathleten des Olympiastützpunkts plagen zum Beispiel immer wieder Kniegelenksverletzungen. „Wir wollen herausfinden, welche Behandlung optimal ist und wie sich Verletzungen künftig vermeiden lassen“, sagt Duda. Darüber hinaus werden die Forscher in den nächsten Jahren den Nachwuchs für die künftige Volleyball-Nationalmannschaft sportwissenschaftlich begleiten – eine Gruppe von zurzeit 13- bis 15-jährigen Jungen, die im Olympiastützpunkt Hohenschönhausen trainiert. In dem Projekt geht es um die Gelenkstabilität. „Wir vermuten, dass einige Sportler von Natur aus instabilere Gelenke haben als andere und wollen herausfinden, wie sie auf das intensive Training reagieren und ob eine andere Art von Training besser für sie wäre“, sagt Duda. Auch mit dem Staatsballett Berlin ist eine Zusammenarbeit geplant. Für die Tänzer wird ein Konzept zum Muskelaufbau entwickelt.

Welche prominenten Sportler auf dem Campus an der Hannoverschen Straße künftig ein und aus gehen werden, verrät Duda nicht – vor allem weil die Sportler mit trainingsmethodischen Details nicht gleich an die Öffentlichkeit gehen wollen. Duda: „Erst einmal müssen wir mit den Athleten arbeiten und gute Ergebnisse erzielen.“

Text: Anne Brünning

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