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Fußball-Woche 03/2011
Rückgang des Ehrenamts - Humboldt-Uni startet Befragung über die Ursachen
Das Problem ist nicht neu und bereitet echte Sorgen, denn in jüngster Zeit mehren sich die Anzeichen dafür; dass das ehrenamtliche Engagement im Sport rapide abnimmt. "Da macht auch der Fußball keine Ausnahme. Bundesweit, so ergab eine Erhebung, beklagen fast alle Vereine einen Rückgang von 25, teilweise sogar 45 Prozent ihrer ehrenamtlichen Helfer", erklärte Prof. Dr. Sebastian Braun vom Institut für Sportwissenschaft der Humboldt-Universität kürzlich bei einer Zusammenkunft mit Ausschuss-Vertretern des Berliner Fußball-Verbandes. Er verwies darauf, dass der DFB vor gut einem Jahr an ihn und seine Abteilung Sportsoziologie herangetreten sei, um anhand einer empirischen Untersuchung verlässliche Zahlen zu erhalten, die dann bei einem Amateur-Kongress präsentiert und diskutiert werden sollen, um anschließend entsprechende Handlungsempfehlungen geben zu können. Dabei ist von einem sogenannten Instrumentenkoffer die Rede.
"Ein Informatikstudent im dritten Semester ist gern bereit, sich für ein oder zwei Jahre bei seinem geliebten Fußballklub einzubringen und eine Homepage aufzubauen. Doch anschließend ist er nicht willens, sie auch über einen Zeitraum von zehn Jahren zu pflegen", lautet die Erkenntnis des HU-Professors, der selbst einmal ein recht passabler Fußballspieler war. "Oft hat sich bei den Beteiligten die persönliche Interessenlage verändert. Das kann beispielsweise der Beruf, die Familie, ein Auslandsaufenthalt oder irgendetwas ganz anderes sein. Nur noch wenige wollen sich heutzutage längerfristig binden. Die Bereitschaft ist zwar da, aber eben nur für projektbezogene Aufgaben."
Und wer sich für ein Ehrenamt zur Verfügung stellt, der möchte, wenn er schon kein Geld für seine Tätigkeit erhält, dann wenigstens seine persönliche Weiterentwicklung und -bildung forcieren, Kompetenzen erwerben, soziale Beziehungen und Netzwerke aufbauen, die er auch jenseits des Fußballs nutzen kann. Motive, die heutzutage von den Vereinen stärker denn je berücksichtigt werden sollten, ja müssen.
BFV -Vizepräsident Gerd Liesegang fordert angesichts des sich abzeichnenden Strukturwandels, dass "wir alles hinterfragen und uns neu aufstellen müssen, denn unsere rund 400 Vereine verlangen eine Antwort auf offene Fragen, wie ehrenamtliche Helfer, ob nun Trainer, Übungsleiter, Schiedsrichter oder auch Vorstandsmitglieder, neu gewonnen beziehungsweise die vorhandenen weiter für ein freiwilliges Engagement gehalten werden können. Dass dabei Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen Berücksichtigung finden müssen, versteht sich von selbst".
Der von der Humboldt-Universität erarbeitete Fragebogen, den alle Vereine dieser Tage online erhalten haben, soll darüber Aufschluss geben, ob es Schwierigkeiten bei der Anwerbung freiwilliger Mitarbeiter gibt, wie viele der Mitglieder sich überhaupt für ein Ehrenamt zur Verfügung stellen und welche Möglichkeiten der Anerkennung vorhanden sind; etwa Geldzuwendungen, Aufwandsentschädigungen, Auszeichnungen oder Beitragsfreistellungen. Aber es soll auch herausgefunden werden, wie viel Zeit ein Ehrenamtlicher pro Woche für seinen Sport opfert.
Nicht selten, so ließen die verschiedenen Ausschussmitglieder im Gespräch mit den Humboldt-Wissenschaftlern durchblicken, gäbe es bei vielen Vereinen, vor allem den kleineren, eine Ämterhäufung, weil sich die Tätigkeit auf zu wenige Schultern verteilt. Nicht selten ist der Vorsitzende gleichzeitig Geschäftsführer, Übungsleiter, wäscht die Trikots oder pumpt sogar noch die Bälle auf.
Die jetzt über das Online-Portal des BFV angelaufene Befragung ist zwar anonym, so dass sich keiner zu outen braucht, wenn er es nicht will, aber es werden durchaus wichtige Erkenntnisse und zuverlässige Fakten erwartet, die für künftige Verhaltensmaßnahmen eine wichtige Rolle spielen.
Autor: Hansjürgen Hille
Wille, H. (2011). Rückgang des Ehrenamts. Humboldt-Uni startet Befragung über die Ursachen. Fußball-Woche 87(8), S. 61.
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