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Sport, Bewegung und
Engagement im
gesellschaftlichen Wandel

 

Corporate Citizenship. Gesellschaftliches Engagement von Wirtschaftsunternehmen in Deutschland. Eine empirische Untersuchung.

Zusammenfassung
Die Untersuchung beschreibt das gesellschaftliche Engagement von Wirtschaftsunternehmen unter Berücksichtung gesellschaftspolitischer und unternehmensbezogener bzw. geschäftsstrategischer Zielzuschreibungen. Insbesondere wird dabei herausgearbeitet, inwieweit und in welcher Form deutsche Wirtschaftsunternehmen abseits ihres Kerngeschäfts durch gesellschaftliches Engagement in das Gemeinwesen involviert sind. Die Datenbasis hierzu liefert eine bundesweit angelegte, quantitative Expertenbefragungen in Unternehmen aller Größenklassen.

Problemstellung
Das gesellschaftliche Engagement verleiht dem Handeln von Wirtschaftsunternehmen eine spezifische gesellschaftspolitische Dimension. Diese gesellschaftspolitische Dimension wird unter dem Stichwort Corporate Citizenship derzeit verstärkt sozialwissenschaftlich und öffentlich diskutiert. Im Mittelpunkt stehen in diesem Zusammenhang die Aktivitäten eines Unternehmens, die zur Entwicklung des Gemeinwohls beitragen könnten.

Dabei werden zunehmend auch die mit dem gesellschaftlichen Engagement verbundenen Gewinne für die Unternehmen thematisiert, wodurch die in Deutschland bislang sozialpolitisch geprägte (und somit von „außen“ an die Unternehmen herangetragene) Diskussion über das gesellschaftliche Engagement von Wirtschaftsunternehmen eine zusätzliche Stoßrichtung bekommt, die eng mit den kommunikationspolitischen Zielen von Unternehmen verbunden ist.

Somit lautet die in der Corporate Citizenship-Debatte vielfach proklamierte Idee einer „win-win-Situation“: Beide Seiten, das Gemeinwesen und die Unternehmen, können und sollen vom Corporate Citizenship profitieren. Unternehmen, die sowohl den Nutzen für das Gemeinwesen als auch ihren eigenen anstreben würden, integrierten Aktivitäten des gesellschaftlichen Engagements in die Unternehmensstrategie und würden solche Aktivitäten als Investitionen in die Zukunft begreifen, die sich dazu eigneten, das Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft neu auszutarieren und zu verbessern.

Vor diesem Hintergrund besteht das Ziel der Untersuchung darin, auf empirischer Basis das Corporate Citizenship in Deutschland im Sinne eines gesellschaftlichen Engagements von Wirtschaftsunternehmen zur Erreichung gesellschafts- und unternehmensbezogener Ziele zu analysieren. Die leitende Fragestellung lautet dabei: Inwieweit und in welcher Weise setzen sich Unternehmen in Deutschland über ihre eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus für gesellschaftliche Belange ein?

Mit dieser leitenden Fragestellung der Untersuchung sind weitere Unterfragen verknüpft, um die gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedeutung des Corporate Citizenship deutscher Unternehmen herauszuarbeiten: Welche gesellschaftsbezogenen und welche unternehmensbezogenen Ziele verfolgen die Unternehmen mit ihren Corporate Citizenship-Maßnahmen? Inwiefern werden Corporate Citizenship-Maßnahmen geschäftsstrategisch geplant und umgesetzt? Und welche gesellschaftspolitischen und unternehmensbezogenen Einstellungen verbinden Unternehmen mit dem Thema Corporate Citizenship?

Methode
Zur Untersuchung des gesellschaftlichen Engagements der Unternehmen in Deutschland wurde mit Hilfe von forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH eine bundesweite Unternehmensbefragung mit Hilfe quantitativer Methoden der Sozialforschung durchgeführt. In Form von computergestützten Telefoninterviews (CATI-System) wurden relevante Experten aus insgesamt 501 KMU und Großunternehmen zum gesellschaftlichen Engagement ihres Unternehmens befragt. Eine disproportional angelegte Stichprobe ermöglichte dabei – auf einer ausreichend statistischen Fallzahl basierende - vergleichende Analysen von Unternehmen verschiedener Größenklassen.

Ergebnisse
Die detaillierten Ergebnisse dieses Forschungsprojekts sind in einem kommentierten Datenbericht (PDF, 403 KB) aufgeführt.

Zentrale Ergebnisse wurden anschaulich von Silvia Bose für den Radiosender WDR 5 im Frage-Antwort-Stil zusammengefasst:

Wie sieht das soziale Engagement von Unternehmen aus?
Die meisten spenden Geld oder Sachmittel. Corporate Giving nennt sich diese klassische Form des Engagements. Mittlerweile setzt aber mehr als jedes zweite Unternehmen das sogenannte Corporate Volunteering ein. Das heißt: Sie spenden Zeit oder auch Know-how ihrer Mitarbeiter. Eine Gärtnerei lässt zum Beispiel einen Kollegen den Abenteuerspielplatz begrünen oder stellt ihn für seinen Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr frei.

Was unterstützen die Unternehmen?
Unternehmen setzen sich vor allem für Sport und Freizeit ein. Auch Erziehung, Bildung und Soziales sind wichtige Felder für das soziale Engagement. Davon profitieren Vereine, Schulen oder Kindergärten – vor allem die in der Nachbarschaft des Unternehmens. Die Firmen arbeiten oft mit gemeinnützigen Organisationen oder Initiativen zusammen. Mehr als ein Drittel wendet sich aber auch an staatliche Akteure in den Kommunalverwaltungen.

Um wie viel Geld geht es bei dem Engagement?
Drei Viertel der Unternehmen lassen sich ihr soziales Engagement etwa 50.000 Euro im Jahr kosten. Das ist aber nur ein Durchschnittwert. Manch ein kleines Unternehmen gibt nur 5.000 Euro im Jahr aus. Große Firmen zahlen auch schon mal mehr als 100.000 Euro.

Welche Ziele verfolgen die Unternehmen mit ihrem Engagement?
Jedes zweite Unternehmen will gesellschaftliche Verantwortung übernehmen oder seinen Standort lebenswerter gestalten. Wirtschaftlicher Erfolg spielt dagegen eine untergeordnete Rolle – vor allem bei kleinen Unternehmen. Die großen Unternehmen zielen eher darauf, ihr Image zu verbessern. Übrigens: Die wenigsten Unternehmen suchen aktiv nach Projekten. Die Mehrzahl engagiert sich nur, wenn Vereine, Wohlfahrtsverbände oder auch Kommunen um Hilfe bitten.

Soziales Engagement – pures PR für Unternehmen?
Nein! Nur jedes sechste Unternehmen wirbt mit seinen guten Taten. Welches Unternehmen will schon den Verdacht erwecken, das Engagement als pures PR-Instrument zu missbrauchen, und seine Glaubwürdigkeit verspielen?

Download
PDF Kommentierter Datenbericht zum Forschungsprojekt (PDF, 403 KB)
PDF Beitrag "Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen" im APuZ-
Schwerpunktheft "Corporate Citizenship" (PDF, 3.210 KB)
mp3 Radiobeitrag in WDR 5: "Tue Gutes ... und profitiere" (MP3, 73 MB)

Externe Links
PDF Artikel: Verschwiegene Spender (PDF, 112 KB)

Link Artikel: “Win-Win-Situation” für Unternehmen und Gesellschaft
Link Artikel: Studie: CSR deutscher Unternehmen überwiegend  traditionsorientiert, spontan und unpolitisch

Extras
Zentrale Ergebnisse des Forschungsprojekts Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland sind im Rahmen eines Schwerpunktheftes der Zeitschrift „Stiftung & Sponsoring" (05/2007) erschienen. Das Heft mit dem Beitrag von Prof. Dr. Dr. Sebastian Braun und Holger Backhaus-Maul (Universität Halle) steht kostenlos beim Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement zum Download bereit.

Der vorliegende Beitrag zeigt wichtige theoretisch konzeptionelle Bezüge auf und verdeutlicht anhand ausgewählter empirischer Befunde einer im Jahre 2006 durchgeführten Unternehmensbefragung das Selbstverständnis und die tätige Praxis des freiwilligen gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen in Deutschland. Die Analyse macht deutlich, dass sich das freiwillige gesellschaftliche Engagement von Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Philanthropie und wirtschaftlicher Verwertung entwickelt und angesichts der Internationalität des Themas und der Beteiligung namhafter deutscher Großunternehmen derzeit besondere Dynamik erfährt, wobei die Tradition der sozialen Marktwirtschaft und die faktische Bedeutung von Klein- und Mittelunternehmen ein hohes Maß an schöpferischem Eigensinn erzeugen.

PDF Download (PDF, 164 KB)

Literatur
Backhaus-Maul, H. & Braun, S. (2007). Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland. Stiftung und Sponsoring, 10 (5), Beilage Rote Seiten.

 

 

 

Logo Humboldt Universität Berlin

Leitung
Prof. Dr. Sebastian Braun

Mitarbeiter
Dipl. Sportwiss. Marc Kukuk

Kooperationspartner
Centrum für Corporate Citizenship Deutschland
forsa. Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH

Förderer
Deutsche BP AG

Laufzeit
01/2006 bis 01/2007
 
             
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